Das US-Militär will aus Sicherheitsgründen keine Multicopter von DJI mehr einsetzen.

Nun führt der chinesische Marktführer einen Flugmodus ohne jede Datenübertragung ein.

Drohnen: DJI ist der Weltmarktführer für zivile Multicopter.

Die US-Armee kämpft für Vieles und an vielen Fronten, bislang aber nicht für die Privatsphäre. Nun aber könnte eine Entscheidung des Militärs zumindest am Rande dazu geführt haben, dass die Piloten von Drohnen (genauer: Multicoptern) des Weltmarktführers DJI eine neue Tarnkappe erhalten.

Vor zwei Wochen hatte die US-Armee in einem Memo alle Truppen angewiesen, Drohnen von DJI nicht mehr einzusetzen, die Batterien und Speicherkarten zu entfernen und die Fluggeräte sicher aufzubewahren. Der Grund: “Cyber-Verwundbarkeit”.

Details über mögliche Schwachstellen erwähnte das Memo nicht. Vielleicht bezog sich das Militär auf Berichte über russische Hacker, die es auf DJI-Drohnen abgesehen haben. Vielleicht bezog man sich auf die seit dem Frühjahr verpflichtende Aktivierung von DJI-Multicoptern, die unter Piloten kontrovers diskutiert wurde: Um die Drohnen künftig vollständig nutzen zu können, müssen die Nutzer das Modell zuerst online registrieren – oder “aktivieren”, wie DJI es nennt. Dabei wird der Standort der Drohne abgerufen und die sogenannten Geofencing-Daten werden aktualisiert. Die Drohne weiß dann, wo sie überall fliegen darf und wo nicht. In Verbotszonen wie in der Nähe von Flughäfen steigt sie dann nicht mehr auf. Das Geofencing zusammen mit der Aktivierung sollen die Sicherheit von Drohnenflügen fördern, sagt DJI. Wer das Gerät nicht aktiviert, kann es nur eingeschränkt nutzen.

Vielleicht erinnerten sich die Militärvertreter auch an Berichte aus dem vergangenen Jahr, wonach die Drohnen von DJI Informationen wie Flug- und Nutzungsdaten sowie Aufnahmen der Kamera an die Server des Unternehmens in China senden könnten, die dann wiederum mit chinesischen Behörden geteilt werden. Das Unternehmen dementierte das, wies auf eine missverständliche Aussage eines Mitarbeiters hin und betonte, die Piloten könnten weitestgehend selbst entscheiden, welche Daten sie teilen. Dazu gleich mehr.

Offlinemodus für kritische Aufnahmen

Nur zwei Wochen nach dem Memo der US-Armee hat DJI jetzt ein Softwareupdate vorgestellt. Der Local Data Mode stellt Piloten einen Flugmodus zur Verfügung, der komplett ohne Internetverbindung und Flugeinschränkungen auskommt. Damit sollen vor allem Geschäftskunden geschützt werden, die Luftaufnahmen von kritischer Infrastruktur machen oder “Aufgaben für Regierungen” erfüllen.

Der Local Data Mode sei keine Reaktion auf die Entscheidung der US-Armee gewesen, sagte Brendan Schulman von DJI im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Das Memo aber habe “bei Verbrauchern neue Bedenken über Datensicherheit” entfacht. Deshalb habe sich DJI entschieden, die schon länger geplante Funktion etwas eher freizuschalten. Zuvor betonte DJI, man stelle Produkte für zivile Zwecke her, nicht für den militärischen Einsatz.

Tatsächlich betreffen die möglichen Bedenken der Armee auch Privatnutzer. Die gleichen Modelle, die von den Soldaten eingesetzt werden, gibt es nämlich im Handel zu kaufen. Deshalb bietet sich der Zeitpunkt an, noch einmal zu erklären, welche Daten ein Multicopter eigentlich über das Internet teilt. Die Geräte von DJI sind dabei besonders interessant, denn mit rund 70 Prozent Marktanteil gehören sie zu den weltweit meistverkauften.

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